Viele Unternehmen stehen vor derselben Frage: Wie lassen sich Cloud-Vorteile wie zentrale Verwaltung und Automatisierung nutzen, ohne alle Daten und Workloads in eine Public Cloud zu verlagern? Microsoft Azure Local ist eine Antwort darauf. Die Plattform bringt Azure-Dienste auf Server im eigenen Rechenzentrum – auf Hardware, die dem Unternehmen gehört, an Standorten, die das Unternehmen kontrolliert. Dieser Artikel erklärt, was Azure Local ist, wie es funktioniert und für welche Szenarien es sich eignet.
Was ist Azure Local?
Azure Local ist eine Software von Microsoft, die aus Standard-Servern eine Hybrid-Cloud-Plattform macht. Die Grundidee ist einfach: Man kauft Server (z. B. von HPE, Dell oder Lenovo), installiert Azure Local darauf und verwaltet diese Server anschließend über dasselbe Azure Portal, das man auch für Cloud-Ressourcen nutzt.
Technisch gesehen ist Azure Local eine hyperkonvergente Infrastruktur (HCI). Das bedeutet: Rechenleistung, Speicher und Netzwerk laufen auf denselben physischen Servern. Ein separates Storage-System wie ein SAN oder NAS ist nicht erforderlich – die Software fasst die lokalen Festplatten aller Server zu einem gemeinsamen Speicherpool zusammen.
Der entscheidende Unterschied zu einer herkömmlichen Server-Umgebung: Azure Local ist kein isoliertes On-Premises-System. Es ist über Microsofts Management-Schicht Azure Arc in das Azure-Ökosystem eingebunden. Dadurch erscheinen die eigenen Server im Azure Portal wie Cloud-Ressourcen – mit Monitoring, automatischen Updates, Sicherheitsrichtlinien und zentraler Benutzerverwaltung.
Kurz gefasst
| Was ist es? | Microsofts Hybrid-Cloud-Software für eigene Server |
|---|---|
| Früherer Name | Azure Stack HCI (umbenannt Ende 2024) |
| Prinzip | Hyperconverged Infrastructure (HCI) – Compute, Storage und Netzwerk auf denselben Servern |
| Management | Über das Azure Portal, wie Cloud-Ressourcen |
| Workloads | Virtuelle Maschinen (Windows/Linux), Container, ausgewählte Azure-Dienste |
| Hardware | Zertifizierte Server von HPE, Dell, Lenovo u. a. |
| Skalierung | 1 bis 16 Server pro Cluster |
Warum hat Microsoft Azure Stack HCI in Azure Local umbenannt?
Wer nach Azure Local recherchiert, stößt unweigerlich auf den früheren Namen „Azure Stack HCI". Microsoft hat die Umbenennung am 19. November 2024 durchgeführt, um eine einheitliche Marke für verteilte Infrastruktur zu schaffen.
Technisch hat sich dabei nichts geändert. Bestehende Installationen, Konfigurationen und Support-Vereinbarungen laufen unverändert weiter. Es gibt keine Migration und keinen Konfigurationsaufwand. Azure Stack HCI und Azure Local bezeichnen exakt dasselbe Produkt.
| Alt | Neu |
|---|---|
| Azure Stack HCI Cluster | Azure Local Instanz |
| Azure Stack HCI Server | Azure Local Maschine |
| Azure Stack HCI OS | Azure Local OS |
Die Umbenennung ist mehr als Kosmetik. Microsoft signalisiert damit, dass Azure Local ein vollwertiger Azure-Dienst ist – nicht nur ein On-Premises-Produkt mit optionaler Cloud-Anbindung. In der Praxis suchen aktuell noch viele Administratoren und Entscheider nach „Azure Stack HCI", während Microsoft konsequent „Azure Local" verwendet. Beide Begriffe führen zum selben Produkt.
Wo steht Azure Local im Microsoft-Portfolio?
Im Microsoft-Ökosystem gibt es mehrere Produkte, die sich mit Hybrid Cloud und On-Premises-Infrastruktur beschäftigen. Die drei wichtigsten – Azure Local, Azure Stack Hub und Azure Arc – werden häufig verwechselt:
| Azure Local | Azure Stack Hub | Azure Arc | |
|---|---|---|---|
| Zweck | Hybrid Cloud auf eigener Hardware | Vollständige Azure-Cloud im eigenen RZ | Management-Ebene für beliebige Infrastruktur |
| Hardware | Validierte Standard-Server | Proprietäre Appliance | Keine eigene Hardware |
| Workloads | VMs, Container, ausgewählte Azure-Dienste | Alle Azure IaaS/PaaS-Dienste | Verwaltung bestehender Ressourcen |
| Komplexität | Mittel | Hoch | Gering |
| Für wen? | Schrittweise Hybrid Cloud | Azure vollständig on-prem | Multi-Cloud-Management |
Wichtig: Azure Arc ist keine Alternative zu Azure Local, sondern dessen Management-Schicht. Jede Azure Local-Instanz wird über Azure Arc verwaltet. Azure Arc kann aber auch unabhängig eingesetzt werden – etwa um Linux-Server oder Datenbanken anderer Hersteller zentral zu steuern. Azure Local ist bewusst schlanker als Azure Stack Hub: Es liefert Infrastrukturdienste auf Standard-Hardware und verbindet sie mit der Azure-Cloud. Für die meisten Hybrid-Cloud-Szenarien ist das ausreichend und deutlich einfacher zu betreiben.
Wie funktioniert Azure Local technisch?
Hyperconverged Infrastructure als Fundament
Azure Local konsolidiert Compute, Storage und Netzwerk auf denselben Servern. Jeder Server (Node) stellt seine lokalen NVMe-SSDs einem gemeinsamen Speicherpool zur Verfügung. Die Virtualisierung läuft auf Hyper-V, das Netzwerk auf Software Defined Networking (SDN). Ein Cluster kann aus einem einzigen Server bestehen (Single-Node-Deployment) oder bis zu 16 Nodes umfassen. Für Hochverfügbarkeit empfiehlt Microsoft mindestens zwei Nodes – bei einem Single-Node gibt es keinen Failover-Partner, ein Hardwareausfall führt zu Downtime.
Storage Spaces Direct (S2D) – Storage ohne SAN
Storage Spaces Direct ist die Komponente, die in Azure Local ein klassisches SAN ersetzt. Sie fasst die lokalen Laufwerke aller Nodes zu einem einheitlichen Speicherpool zusammen:
- Spiegelung: Daten werden automatisch auf mehrere Laufwerke oder Nodes kopiert. 2-Wege-Spiegelung toleriert den Ausfall eines Laufwerks, 3-Wege den gleichzeitigen Ausfall von zwei Laufwerken oder einem kompletten Node.
- Tiering: Häufig genutzte Daten werden automatisch auf schnellere Laufwerke (NVMe/SSD) verschoben, selten genutzte auf günstigere HDDs.
- Resilienz: Bei Ausfall eines Nodes oder Laufwerks werden Daten im laufenden Betrieb automatisch umverteilt – ohne manuellen Eingriff.
S2D reduziert die Hardwarekomplexität erheblich: kein separates SAN, keine Fibre-Channel-Infrastruktur, keine dedizierte Storage-Administration. Die Einschränkung: Die verfügbare Speicherkapazität ist an die lokalen Laufwerke der Cluster-Nodes gebunden. Wer deutlich mehr Kapazität als Compute benötigt, kann seit Version 2505 auch externen SAN-Storage anbinden.
Azure Arc – die Verbindung zur Cloud
Azure Arc ist die Komponente, die Azure Local von einer normalen Hyper-V-Umgebung unterscheidet. Sie bildet die lokalen Server als Azure-Ressourcen ab und ermöglicht:
- Monitoring: Metriken, Logs und Alerts über Azure Monitor – dieselbe Oberfläche wie für Cloud-Ressourcen
- Richtlinien: Compliance-Vorgaben über Azure Policy, automatisch auf alle Nodes angewendet
- Updates: OS- und Firmware-Updates über das Azure Portal, inklusive Hotpatching
- Identität: Authentifizierung über Microsoft Entra ID
- Automatisierung: Infrastructure as Code über ARM Templates und Bicep
Ein Team, das Azure bereits kennt, kann Azure Local verwalten, ohne ein separates Management-Tool zu lernen.
Container neben VMs – Kubernetes auf Azure Local
Bei jeder Azure Local-Installation wird die Infrastruktur für Azure Kubernetes Service (AKS) automatisch eingerichtet. AKS-Cluster selbst werden anschließend nach Bedarf erstellt – ähnlich wie in der Azure-Cloud. Container-Workloads und klassische virtuelle Maschinen laufen damit auf derselben physischen Hardware, verwaltet über dieselben Azure-APIs. Für Unternehmen, die neben klassischen VMs auch containerisierte Anwendungen betreiben, entfällt eine separate Container-Plattform.
Zertifizierte Hardware: Wie HPE Azure Local unterstützt
Azure Local läuft ausschließlich auf Server-Hardware, die Microsoft validiert und zertifiziert hat. Nicht jeder Server ist geeignet – Microsoft prüft Firmware, Treiber und Hardware-Konfigurationen und gibt nur getestete Kombinationen frei. Die wichtigsten Hardware-Partner sind HPE, Dell und Lenovo.
HPE bietet für Azure Local sowohl Rack-Server für das Rechenzentrum als auch kompakte, energieeffiziente Modelle für Edge- und Filialstandorte an. Die Palette reicht von GPU-fähigen 2U-Servern für KI- und VDI-Workloads bis zu lüfterlosen Edge-Systemen, die bei Temperaturen von -5 bis 55 °C betrieben werden können. Welche konkreten Modelle aktuell verfügbar sind, ändert sich mit jedem Hardware-Generationswechsel – die aktuelle Übersicht findet sich auf unserer HPE-Seite.
Drei Lieferstufen bei HPE
Wichtiger als das konkrete Server-Modell ist die Lieferstufe. HPE bietet Azure Local-Hardware in drei Varianten an:
| Validated Node | Integrated System | Premier Solution | |
|---|---|---|---|
| Umfang | Validierte Hardware | Hardware + vorinstalliertes OS | Hardware + OS + exklusive Features |
| Einrichtung | Eigeninstallation | Teilweise vorkonfiguriert | Schlüsselfertig |
| Exklusiv-Features | – | – | Disconnected Ops, M365 Local |
| Support | HPE + MS separat | Koordiniert | Integriert |
Wichtige Einordnung: Disconnected Operations und Microsoft 365 Local sind ausschließlich mit Premier Solutions verfügbar. Wer souveräne oder isolierte Umgebungen plant – etwa für KRITIS, Behörden oder Air-Gap-Szenarien – muss zwingend eine Premier Solution wählen. Nicht alle HPE-Modelle sind als Premier Solution erhältlich; bei der Auswahl sollte dieser Punkt früh geklärt werden.
Herstellerübergreifend beraten lassen
Neben HPE sind auch Dell (PowerEdge) und Lenovo (ThinkSystem) als Azure Local-Partner zertifiziert. Die richtige Hardware hängt von den individuellen Anforderungen ab: Rack-Platz, GPU-Bedarf, Edge-Tauglichkeit, Energieeffizienz, bestehende Wartungsverträge. Als herstellerübergreifender Partner beraten wir neutral, welche Plattform für ein konkretes Szenario am besten geeignet ist.
Offline-Betrieb: Disconnected Operations und Microsoft 365 Local
Azure Local war ursprünglich darauf ausgelegt, dauerhaft mit der Azure-Cloud verbunden zu sein. Seit Ende 2025 hat Microsoft diese Einschränkung schrittweise aufgehoben – mit zwei neuen Funktionen, die Azure Local auch für vollständig isolierte Umgebungen öffnen.
Microsoft 365 Local
Seit November 2025 allgemein verfügbar. Ermöglicht den Betrieb von Exchange Server, SharePoint Server und Skype for Business Server vollständig auf Azure Local – innerhalb der eigenen Infrastruktur, ohne Cloud-Anbindung. Für Organisationen mit strengen Datenresidenz-Anforderungen bedeutet das: E-Mail, Dokumentenmanagement und Kommunikation bleiben vollständig im eigenen Rechenzentrum. Microsoft hat sich verpflichtet, diese Server-Produkte bis mindestens 2035 zu unterstützen.
Azure Local Disconnected
Seit Februar 2026 (Version 2602) kann auch die Infrastruktur selbst vollständig offline betrieben werden. Die gesamte Plattform – Hyper-V, Storage, Verwaltung, Updates und Richtlinien – läuft ohne jegliche Internetverbindung. Das adressiert Szenarien, in denen eine Cloud-Anbindung nicht möglich oder nicht gewünscht ist:
- KRITIS-Umgebungen: Behörden, Verteidigung, kritische Infrastruktur mit Air-Gap-Anforderungen
- Datenresidenz: Organisationen, die Daten aus regulatorischen Gründen nicht in Richtung Cloud senden dürfen
- Remote-Standorte: Produktionsanlagen, Offshore-Plattformen oder Schiffe ohne zuverlässige Internetanbindung
Disconnected Operations sind keine abgespeckte Version von Azure Local. Der Funktionsumfang entspricht dem der Cloud-verbundenen Variante. Die Funktion ist allerdings ausschließlich auf Premier Solutions verfügbar.
Sovereign Private Cloud
Microsoft fasst Azure Local, Microsoft 365 Local und Foundry Local (für KI-Modelle) unter dem Begriff Sovereign Private Cloud zusammen. Der Stack ermöglicht Azure-Infrastrukturdienste, Microsoft-365-Produktivität und KI-Inferenz – alles vollständig on-premises und offline-fähig.
Für welche Szenarien ist Azure Local relevant?
Einstieg in die Hybrid Cloud
Azure Local eignet sich für Unternehmen, die Cloud-Dienste schrittweise einführen möchten, ohne bestehende Infrastruktur aufzugeben. Bestehende VMs laufen weiter, neue Container-Workloads kommen hinzu. Die Verwaltung läuft über das Azure Portal – dasselbe Tool, das auch für Cloud-Ressourcen genutzt wird.
Edge Computing und Filialinfrastruktur
Mit Single-Node-Deployments und Edge-Hardware eignet sich Azure Local für verteilte Standorte:
- Einzelhandel: Lokale Compute-Kapazität für POS-Systeme, Bestandsmanagement und Analytics
- Produktion: Echtzeit-Datenverarbeitung an der Fertigungslinie, ohne Latenz durch Cloud-Roundtrips
- Gesundheitswesen: Lokale Verarbeitung von Patientendaten mit DSGVO-konformer Datenhaltung
In allen Fällen werden die verteilten Standorte zentral über Azure Arc verwaltet – das IT-Team muss nicht an jeden Standort fahren.
Compliance und Datensouveränität
- BSI-Grundschutz und KRITIS: Betrieb kritischer IT-Infrastruktur ohne Cloud-Abhängigkeit
- DSGVO und Datenresidenz: Daten verlassen das eigene Rechenzentrum zu keinem Zeitpunkt
- Behörden und regulierte Branchen: Air-Gap-Betrieb mit vollem Azure-Funktionsumfang
VDI und Datenbank-Workloads
- Virtual Desktop Infrastructure (VDI) über Azure Virtual Desktop on-premises (siehe GPU / KI Server)
- SQL Server mit Azure Arc-Management und automatischen Backups (siehe Datenbank-Server)
- SAP-Workloads auf zertifizierter HPE-Hardware
- KI-Inferenz mit GPU-Passthrough
Migration von VMware
Azure Local nutzt Hyper-V als Hypervisor. Bestehende VMware-VMs müssen konvertiert werden – eine Live-Migration ist nicht möglich. Microsoft bietet Azure Migrate als Tool. Der Prozess erfordert eine Parallelphase, in der beide Umgebungen gleichzeitig aktiv sind.
Zusammenfassung
Azure Local bringt Azure-Dienste auf zertifizierte Server-Hardware im eigenen Rechenzentrum. Die Stärke liegt in der Integration: VMs, Container und Azure-Dienste werden über ein einziges Portal verwaltet – unabhängig davon, ob sie in der Cloud oder on-premises laufen. Mit Microsoft 365 Local (GA November 2025) und Disconnected Operations (GA Februar 2026) öffnet sich die Plattform auch für vollständig souveräne Umgebungen. HPE, Dell und Lenovo bieten zertifizierte Server für jedes Szenario – vom GPU-fähigen Rack-Server im Rechenzentrum bis zum energieeffizienten Edge-System. Entscheidend bei der Hardware-Wahl ist die Lieferstufe: Nur Premier Solutions unterstützen Disconnected Operations und Microsoft 365 Local.
FAQ
Was ist Azure Local?
Azure Local ist Microsofts Hybrid-Cloud-Plattform für eigene Server. Es macht aus zertifizierter Hardware eine hyperkonvergente Infrastruktur, die über das Azure Portal verwaltet wird. Ein separates SAN entfällt.
Ist Azure Local dasselbe wie Azure Stack HCI?
Ja. Microsoft hat Azure Stack HCI am 19. November 2024 in Azure Local umbenannt. Technisch hat sich nichts geändert.
Welche Hardware ist für Azure Local zertifiziert?
Azure Local läuft auf validierten Servern von HPE, Dell und Lenovo. HPE bietet Rack-Server für das Rechenzentrum und Edge-Modelle für Filialstandorte an – als Validated Nodes, Integrated Systems oder Premier Solutions. Welche Modelle aktuell verfügbar sind, finden Sie auf unserer HPE-Seite.
Kann Azure Local offline betrieben werden?
Ja. Seit Februar 2026 unterstützt Azure Local Disconnected Operations. Voraussetzung ist eine Premier Solution.
Was ist Microsoft 365 Local?
Exchange, SharePoint und Skype for Business vollständig on-premises, ohne Cloud-Verbindung. Verfügbar seit November 2025, Support bis mindestens 2035.
Brauche ich ein SAN?
Nein. Storage Spaces Direct (S2D) fasst die lokalen Laufwerke aller Server zu einem gemeinsamen Pool zusammen. Seit Version 2505 kann optional auch externer SAN-Storage angebunden werden.
Wie viele Server brauche ich?
Einer genügt (Single-Node). Für Hochverfügbarkeit mindestens zwei. Skalierung bis 16 Server pro Cluster.
Kann ich VMware-VMs migrieren?
Ja, aber die VMs müssen konvertiert werden. Azure Local nutzt Hyper-V. Microsoft stellt Azure Migrate als Tool bereit.
Was ist der Unterschied zu Azure Stack Hub?
Azure Local läuft auf Standard-Servern mit ausgewählten Azure-Diensten. Azure Stack Hub ist eine vollständige Azure-Cloud in einer proprietären Appliance – mehr Dienste, aber auch mehr Komplexität.